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When Things Fall Apart

… ist ein spiritueller Ratgeber für schwierige Zeiten und ausweglose Situationen. Im weitesten Sinne geht es um die Steigerung der Wertschätzung für die kleinen Dinge, welches durch Meditation, sowie Achtsamkeitsübungen erreicht werden soll.

Über die Autorin

Die Autorin Pema Chödrön wurde 1936 als Deirdre Blomfield-Brown in New York City in den USA geboren. Sie war Grundschullehrerin, hat zwei Kinder und drei Enkelkinder. Im Zuge der Ausbildung zur buddhistischen Nonne, bekam sie einen anderen Namen: Pema Chödrön. Unter diesem verfasste sie bereits mehrere Bücher und ist eine erfolgreiche Schriftstellerin.

Chödrön leitet Kurse, Seminare und Retreats in Europa, Australien und den USA, bei denen sich alles um Spiritualität und den Buddhismus dreht.

Sie hat sich als persönliches Ziel gesetzt, die buddhistische Lehre durch Alltagssituationen anschaulich darzustellen. Dabei beruft sie sich oft auf ihr Vorbild: Atishas Lehren „Lösungen zur Geistesschulung“ (auch Lojong genannt, welches eine Anleitung zum buddhistischen Geistestraining darstellt).

Im Folgenden haben wir ihren Ratgeber »When Things Fall Apart« in die drei Kernthesen heruntergebrochen. In der ersten These geht es um das Thema Angst und wie man diese besser versteht. Die zweite These beschäftigt sich damit, wie durch kritisches Hinterfragen von Ängsten und Hoffnungen Unzufriedenheiten vermieden werden können. In der dritten These geht es darum, den Sinn im Leben zu finden, indem die Unbeständigkeit des Lebens genauer untersucht wird.

1. Es ist erst möglich, Angst zu verstehen, wenn man sie mit offenen Armen empfängt.

Für die meisten Menschen ist die natürliche Reaktion auf Angst: umdrehen und weglaufen. Ausgelöst durch schnelle, heftige Hormonausschüttung und seit Urzeiten verankert im limbischen System. Natürlich gibt es Situationen, in denen das die beste Reaktion ist. Oftmals empfiehlt es sich allerdings, die Angst genauer zu betrachten, da diese viele Möglichkeiten zum Lernen bieten. Wie kann also ein sinnvoller Umgang mit Ängsten aussehen?

Perspektivenwechsel

  • Wechsel deine Perspektive
  • Verstehe und definiere deine Angst
  • Erlange tiefere Einblicke in dein Inneres, lerne Neues über dich
  • Nutze deine neuen Erkenntnisse
  • Gehe vergangene Angst-Situationen durch
  • Betrachte diese Ereignisse mit den neuen Erkenntnissen über dich selbst
  • Vielleicht erlangst du neue Einsichten für die Zukunft?
  • Lerne für die Zukunft

Um das Prinzip besser zu verstehen:

Du warst beispielsweise verabredet, um von einer Party zusammen nach Hause zu laufen. Die andere Person wollte jedoch länger bleiben als du und ist nicht mitgekommen, als du gegangen bist. Du warst sauer und hast der Person Vorwürfe gemacht, weil du sie für unzuverlässig hältst. Als du mit der Person darüber sprichst, fällt dir jedoch auf, dass du von der anderen Person erwartest, sich an die eigenen Zeiten anzupassen, anstatt selbst flexibel zu sein. Du überlegst, warum du so sauer geworden bist und dir fällt auf, dass es nichts mit der anderen Person zu tun hat. Du hast einfach nur Angst, alleine nachts durch die Stadt zu laufen und hast diese Angst mit Wut kompensiert.

Neue Erkenntnisse

Durch die anderen Perspektiven, mit denen die Ängste hinterfragt und betrachtet werden, erschließen sich oftmals neue Erkenntnisse. Selbstfindung ist ein Begriff, der oft verwendet, aber selten wirklich verstanden wird. Durch die Aufschlüsselung eigener Gedanken und Aktionen erlangt man jedoch oftmals ein tieferes Verständnis für sich selbst. Diese Selbstfindundungsresultate können in schwierigen Lebensphasen ein hilfreicher Anker sein.

Reflektieren

Fixiere nicht die aktive Bekämpfung deiner Angst. Nutze die Chance lieber und nimm dir Zeit, Schlüsse aus der Angst und deinen Reaktionen zu ziehen, um daran zu wachsen. Das Leben ist ständig in Bewegung. Veränderungen kommen und gehen. Diese können jedoch sowohl positiv als auch negativ sein. Sei offen für diese Bewegung im Leben. Nur so öffnest du dich für neue Lösungen und Optionen.

2. Um die Unzufriedenheit loszuwerden, müssen Hoffnungen und Ängste hinterfragt werden.

Hoffnung

Hoffnung ist ein elementarer Bestandteil im Leben eines Menschen. Sie gibt die Kraft und den Willen, an eine bessere Zukunft zu glauben und nicht aufzugeben, besonders in schweren Zeiten. Jedoch muss auch Hoffnung mit Vorsicht genossen werden. Zu viel Hoffnung führt schnell zu Enttäuschung, da sie oft unerfüllt bleibt. Im Tibetischen gibt es das Wort „re-dok“. Es kombiniert die Wörter für Angst und Hoffnung. Damit weist es die Parallelen auf, die diese beiden Gefühle haben. Es kombiniert die Sehnsucht nach einem besseren Leben, während es zugleich die Angst zu versagen beschreibt.


Hinterfrage Erwartungen und Sorgen

In vielen Situationen reagieren wir entsprechend gesellschaftlicher Normen oder Gewohnheiten. Ob die Reaktionen jedoch zu den aktuellen Gefühlen und Ansichten wirklich passen, wird oft nicht weiter hinterfragt. Deshalb ist es wichtig, nicht nur Ängste, sondern generell auch Sorgen und Vorstellungen zu hinterfragen. 

Beispielsweise trifft jemand eine Aussage wie: „Du siehst ja alt aus.“ Nach gesellschaftlichen Gewohnheiten eine äußerst verletzende Aussage. Jedoch liegt es jetzt an uns, die Aussage und die eigene Reaktion aufzuschlüsseln und zu verstehen. Überleg, warum diese Aussage verletzend ist. Wir sind der Meinung jung auszusehen sei wichtig. Aber sind wirklich wir selbst der Meinung und ist es wirklich so wichtig für uns jung auszusehen? Hinterfrage deine Gefühle und deine Reaktion. Es gibt keine richtige und falsche Antwort auf diese Fragen. Es geht lediglich darum, sich selbst besser zu verstehen und kennen zu lernen.

3. Um mehr Sinn im Leben zu bekommen, müssen Unbeständigkeit und Leiden untersucht werden.

»Things are always in transition if we could only realize it. Nothing ever sums itself up in the way that we like to dream about.«
When Things Fall Apart – Pema Chödrön

Damit will die Autorin aussagen, dass Pläne (fast) immer schief gehen. Jeder kennt es vom eigenen Leben. Es ist zum Beispiel geplant, in der Regelstudienzeit zu studieren, aber vorgefertigte Pläne funktionieren nunmal nicht für jeden.

Die Hoffnung besteht, dass nur EINE Sache zu ändern ist und anschließend endlich das finale Glück erreicht wird.

Doch die Realität sieht ganz anders aus: Die Unbeständigkeit ist das Einzige, das immer bleibt. Diese Unbeständigkeit bildet mit der Hoffnung einen Kreislauf, der sich immer weiter dreht und in Bewegung bleibt.

»Impermanence is the essence of everything.«
When Things Fall Apart – Pema Chödrön

Samsara

Diesen Kreislauf bezeichnet die Autorin als Samsara.

Viele kennen das aus eigener Erfahrung, zum Beispiel beim morgendlichen Blick in den Spiegel. Man denkt sich »Wenn ich fünf Kilo abnehme, bin ich glücklich.« Nach einer Woche wird mit einem prüfenden Blick das Gewicht auf der Waage überprüft. Zu diesem Zeitpunkt ist es egal, ob bereits Gewicht verloren wurde oder nicht. Es folgt die Enttäuschung, dass noch keine fünf Kilo runter sind, was natürlich völlig unrealistisch wäre. So ähnlich läuft es mit vielen Dingen. Selbst wenn die fünf Kilo abgenommen wurden, kann noch mehr verändert oder verbessert werden, denn das eigene Ego ist selten zufrieden und wenn, dann nicht für sehr lange.

Die Autorin rät dazu das Ego, sich selbst und seine Gedanken gesondert zu betrachten. Wir sind nicht unser Ego, nicht unsere Gedanken. Wir sind das, was wir daraus machen, mit den vorhandenen Informationen.

Aus dem Wunsch, etwas zu ändern, wird die Hoffnung, dass der Wunsch wahr werden könnte. Daraus ergibt sich eine Erwartungshaltung. Dies hat zur Folge, dass das gewünschte Ziel (nicht) erreicht wird, was zu Enttäuschung und Unzufriedenheit führt. Es entsteht ein neuer Wunsch und noch mehr Hoffnung. Die Autorin merkt an dieser Stelle den engen Zusammenhang zwischen Hoffnung und Leid an. Auch können Erwartungshaltungen grundsätzlich nur von Enttäuschung gefolgt werden, da ein Misserfolg nicht erwartet und somit nicht akzeptiert wird.

»Thinking that we can find some lasting pleasure and avoid pain is what in Buddhism is called samsara, a hopeless cycle that goes round and round endlessly and causes us to suffer greatly.«
When Things Fall Apart – Pema Chödrön
»Things come together and fall apart.«
When Things Fall Apart – Pema Chödrön

Fazit

schwarz - weiß
Unser Denken erfolgt meist in Schubladen

Pema Chödrön hat uns mit ihrem Buch gezeigt, dass es kein Schwarz- / Weiß- Denken gibt. Man kann nicht alles in zwei Kategorien unterteilen und dann ein Label geben. Es ist weder schlecht noch gut, sich selbst verbessern zu wollen. Dinge sind nicht automatisch schlimm oder verwerflich, nur weil sie nicht der Norm entsprechen. Es kommt immer auf die eingenommene Perspektive an. Wir sollten uns angewöhnen alles sachlicher zu sehen und nicht sofort zu werten.

Graustufen
So sieht die Realität wirklich aus.
»No content will satisfy you, as long as the egoic structure remains in place. No matter what you have or get, you won’t be happy
When Things Fall Apart – Pema Chödrön

Kritische Punkte:

Was uns kritisch an dem Buch auffiel, war, dass wir eine ganz andere Erwartung hatten. Wir erwarteten einen Selbsthilferatgeber, der positive Stimmung verbreitet und mit praktischen Tipps unter die Arme greift. Diese Erwartungshaltung kam durch den Titel des Buches und die dadurch vermittelte Stimmung. Für uns birgt das einen gewissen Grad an Ironie in sich selbst. 

Letztendlich ging es vor allem um die (harte) Realität, mit welcher Chödrön den Leser konfrontiert.

Außerdem ist das Buch eher für sehr spirituell Interessierte geeignet, besonders wenn diese bereits Vorwissen aus dem Buddhismus besitzen. Es ist optimal, um seinen spirituellen Horizont zu erweitern und das theoretische Wissen zu vertiefen.

Größter persönlicher Mehrwert:

Wir empfanden den Ansatz der Meditation und der Achtsamkeit, der sich durch das gesamte Buch zieht, sehr interessant und auch wichtig. Außerdem empfanden wir ihre Theorie, dass wir unsere Gefühle erst einmal annehmen und nicht sofort bewerten sollten als sehr inspirierend. Das Gleiche gilt auch dafür, Gedanken einfach nur wahrzunehmen, diese als solche zu erkennen und sich klar zu sein, dass sie keinen direkten Einfluss auf uns selbst haben.

Auch empfanden wir die Idee, vor allem negative Gefühle und Gedanken zu hinterfragen und zu ergründen sehr spannend, da man sich selbst hierdurch deutlich besser kennenlernt. Man lernt dadurch auch, Gedanken leichter zu akzeptieren und auch wieder loszulassen. Das Buch kann auf jeden Fall dazu motivieren, sich mit Spiritualität weiter auseinanderzusetzen, sowie Meditation und Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren.

»Look at your mind. Be curious. Welcome groundlessness. Lighten up and relax. Offer chaos a cup of tea. Let go of ›Us‹ and ›Them‹. Don't turn away… Never give up on yourself.«
When Things Fall Apart – Pema Chödrön
Buchcover »When Things Fall Apart«
Buchcover

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