Im Studienfach User Experience Design beschäftigen wir uns mit spekulativen Konzepten für zukünftige Herausforderungen.
Aus diesem Ansatz entstand Senso. Senso ist ein intelligentes Arbeitsplatzsystem für moderne Büros.
Ziel ist es, konzentriertes Arbeiten zu fördern, den Flow-Zustand zu unterstützen und die Zusammenarbeit im Team stressfreier zu gestalten. Dabei orientieren wir uns an den Prinzipien der Calm Technology, Positive Reinforcement und dem Einfluss von Umweltfaktoren. Auf manipulative Mechanismen wie Dark Patterns oder suchtfördernde Elemente verzichten wir bewusst.
Relevanz
Digitalisierung macht Teams schneller, aber auch anfälliger für Ablenkung. Was als Erleichterung gedacht war ist für viele zum größten Hindernis geworden. Das Ergebnis: man fängt etwas an, wird unterbrochen, fängt wieder an. Der Zustand in dem die besten Ideen entstehen und schwierige Probleme gelöst werden kommt kaum noch zustande. Oft weil die Umgebung es nicht zulässt.
Slack, Mail, Teamsr: jede Plattform kämpft um Aufmerksamkeit, mitten in der Arbeitszeit. Die Zahlen die wir in unserer Recherche gefunden haben: 23 Minuten braucht man im Schnitt um nach einer Unterbrechung wieder in den Flow zu kommen. Fast die Hälfte der Arbeitszeit verbringen viele Arbeiter mit Kommunikationstools. Die meisten Großraumbüros optimieren auf Kommunikation und Sichtbarkeit.
Die Idee
Es gibt zahlreiche Tools die versuchen konzentrierte Zeit zu schützen, aber sie arbeiten auf Planungsebene, nicht auf Verhaltensebene. Und sie verändern nichts an der physischen Umgebung in der du arbeitest.
Das ist die Lücke die wir erkannt haben. Wir wollten kein weiteres Tool das man bedienen muss, sondern ein System das versteht wann konzentrierte Arbeit entsteht und den Raum dafür vorbereitet ohne Aufwand für die die arbeiten. Niemand soll sich selbst reflektieren oder aktiv dazu aufraffen müssen einen Modus zu wechseln. Das System erkennt den richtigen Moment und passt sich dementsprechend an.
Senso analysiert den Arbeitszustand des Raums, sowie das digitale Verhalten der Mitarbeiter und passt die Umgebung an sobald Flow erkannt wird. Durch zwei "Formate" wird der ganze Raum abgedeckt und soll sowohl das Team als Ganzes, als auch die Mitarbeiter individuell unterstützen. Die Anpassung soll sich in unserer Idee nicht nur auf das Interface beziehen, inspiriert an Smarthome Funktionen wollten wir den ganzen Raum optimal auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter anpassen.
Zielgruppe
Die Idee Senso richtete sich ursprünglich an kreative Agenturen, also Teams die in offenen Studios an gestalterischen Projekten arbeiten und dabei auf eine Umgebung angewiesen sind die sowohl individuelle Konzentration als auch spontane Zusammenarbeit ermöglicht. Im Verlauf des Projekts wurde jedoch deutlich dass die zugrundeliegenden Probleme nicht nur auf kreative Branchen beschränkt sind, sondern überall dort auftreten wo eine größere Anzahl von Mitarbeitenden in offenen Raumstrukturen gemeinsam arbeitet, in Großraumbüros ebenso wie in mehrstöckigen Unternehmensgebäuden internationaler Konzerne.
Die eigentliche Zielgruppe von Senso sind weniger die Mitarbeitenden selbst und vielmehr die Führungskräfte, die nach Lösungen suchen um die Produktivität ihres Teams zu steigern, ohne dabei neue Belastungen zu erzeugen. Viele der aktuell verfügbaren Effizienzlösungen verfolgen einen Ansatz der auf Messung, Vergleich und Bewertung individueller Leistung ausgerichtet ist, das kann kurzfristig messbare Effekte erzeugen, langfristig jedoch das Vertrauen und das Arbeitsklima belasten.
Senso richtet sich an Chefs, die verstanden haben dass nachhaltige Produktivität nicht durch Kontrolle entsteht, sondern durch eine Arbeitsumgebung die die natürlichen Konzentrationsprozesse ihrer Mitarbeitenden unterstützt, ohne Überwachung, zusätzlichen Aufwand für das Team und ohne Eingriff in die Autonomie der einzelnen Person.
Speculative Design: Spacial UX
Wir haben viele anfängliche Ideen verworfen, Hauptgrund warum wir uns für ein Open-office-focus-concept entschieden haben, ist der spekulative Designansatz. Also wie könnte unser Lösungsweg in der Zukunft funktionieren und was hebt ihn von bestehenden Tools ab?
Der entscheidende konzeptuelle Schritt war die Einbeziehung des Raums selbst als aktiver Bestandteil des Systems. Orientiert an bereits existierenden Smarthomefunktionen, haben wir versucht, diese weiter zu denken und im Büro-Kontext zu begründen. Für mehr Futurismus, haben wir uns gegen klassische Screens und für im Tisch integrierte Hologramme entschieden.
Zwei-"Screen"-System
Das Interface von Senso besteht aus zwei unabhängigen Displays die auf dasselbe System zugreifen. Der große Screen visualisiert den kollektiven Arbeitszustand des Raums. Der kleine Screen am individuellen Arbeitsplatz gibt der jeweiligen Person gezielte Unterstützung. Beide Displays aktualisieren sich in Echtzeit.
Der große Screen an einer zentralen Wandfläche des Büros richtet sich an alle Anwesenden gleichzeitig.
Er visualisiert den kollektiven Arbeitszustand des Raums als abstrakte Darstellung des gemeinsamen Energiepegels. Er zeigt an, wer gerade im Flow ist und nicht gestört werden soll, wann das nächste Meeting beginnt oder ob Ziele erreicht wurden.
Der kleine Screen ist ein Hologramm das direkt in die Tischfläche des jeweiligen Arbeitsplatzes projiziert wird und sich nur auf einen Mitarbeiter konzentriert. Es zeigt beim Arbeitsbeginn wo man zuletzt aufgehört hat, welches Feedback noch offen ist und welcher erste Schritt sinnvoll wäre. Sobald Flow erkannt wird reduziert sich das Interface und sammelt alle eingehenden Benachrichtigungen bis der Flow-Zustand endet. Beide Displays aktualisieren sich in Echtzeit und reagieren gemeinsam auf denselben Systemzustand, erfüllen dabei aber unterschiedliche Funktionen innerhalb der Gesamtarchitektur.
Der Raum
Wände werden zu dynamische Bestandteilen eines intelligenten Raumsystems das auf den kollektiven Arbeitszustand des Teams reagiert.
Über das Interface lassen sich Trennwände verschieben und anpassen. In unserer Idee, soll das ganze je nach Zustand des Teams automatisiert werden. Dieselben Wandflächen können gleichzeitig als Lichtquellen dienen, die je nach aktivem Modus ihre Farbtemperatur verändern. Ergänzt durch ein Diffusorsystem das Duft synchron mit dem jeweiligen Systemzustand einsetzt um einen Raum zu imitieren in dem man sich sonst am besten konzentrieren kann. Das Ziel ist eine multisensorische Umgebung die den Körper auf subtile Weise in den richtigen Zustand versetzt ohne dass dieser Prozess bewusst wahrgenommen werden muss.
Wandflächen werden auch zur aktiven Arbeitsfläche. Per Share Screen lässt sich jeder Bildschirm direkt projizieren, das integrierte Whiteboard ermöglicht gemeinsames Skizzieren, und die Fensterfunktion simuliert Wetter und Tageslicht für Räume ohne natürlichen Ausblick. Die Wand ist damit gleichzeitig Raumteiler, Lichtquelle, Projektionsfläche und Kommunikationsmedium, ein Element das je nach Kontext eine vollständig andere Funktion übernimmt und damit die Vorstellung davon was ein Büroraum leisten kann erweitern soll.
Der Grundgedanke
Senso orientiert sich an Prinzipien der Calm Technology, einem Konzept das Technologie als etwas begreift das im Hintergrund bleibt, das sich dem menschlichen Verhalten anpasst statt es zu steuern, und das nur dann sichtbar wird wenn es tatsächlich gebraucht wird.
Strukturell organisiert Senso den Arbeitstag entlang zweier klar definierter Modi die automatisch ineinandergreifen. Im Planungsmodus steht das vollständige Dashboard zur Verfügung: Kalender, Tasks, Teamstatus, Team-Verfügbarkeit, freie Zeitfenster und der wöchentliche Jourfix. Dieser Modus ist darauf ausgelegt Orientierung zu schaffen, spontane Abstimmungen zu ermöglichen und den nächsten Fokusblock vorzubereiten.
Sobald das System erkennt dass ein Mitarbeiter in den Flow übergeht wechselt Senso automatisch in den Fokusmodus. Das Interface minimiert sich auf das Wesentliche. Alle eingehenden Benachrichtigungen werden gesammelt und erst nach dem Flow-Zustand zugestellt. Licht und Duft passen sich an, der Raum signalisiert subtil Konzentration und Kollegen werden über den Schutzstatus informiert.
Das macht Senso aus:
Das System arbeitet im Hintergrund und macht sich nur bemerkbar wenn es gebraucht wird.
Kognitive Entlastung dadurch, dass die mentale Arbeit des Wiedereinstiegs abgenommen wird.
Der bewusste Verzicht auf Anreize das System möglichst oft oder möglichst lange zu nutzen.
Die Pause wird respektiert, wer noch im Flow ist bekommt Zeit um ordentlich abzuschließen, wer pausiert wird vollständig in Ruhe gelassen.