Problemstellung
Viele ältere Menschen in Deutschland möchten möglichst lange zu Hause bleiben. Um die 86 % möchten einen Umzug in ein Senioren- oder Pflegeheim vermeiden, da das eigene Zuhause Sicherheit, Selbstbestimmung und Vertrautheit bietet.
Gleichzeitig sind viele gesundheitlich eingeschränkt und auf Medikamente angewiesen. Laut Robert Koch-Institut nehmen 53 % der älteren Frauen mehr als fünf Medikamente, bei Männern sind es 52 % mit ein bis vier Medikamenten. Die korrekte Einnahme ist oft komplex und wird durch Gedächtnisstörungen, körperliche Einschränkungen oder fehlende soziale Unterstützung erschwert. Auch unklare Medikationspläne und mangelnde Koordination im Gesundheitssystem sind problematisch.
Eine wichtige Rolle spielen Angehörige: 21–24 % leisten unbezahlte Pflege für Familienmitglieder. Diese Unterstützung beeinflusst auch die Organisation und Kontrolle der Medikamenteneinnahme.
Was wäre, wenn smarte Technik dafür sorgt, dass niemand seine Medikamente vergisst?
Lösung
MEDIna ist eine intelligente Tablettenbox, die ältere Menschen bei der regelmäßigen Medikamenteneinnahme unterstützt.
Durch verständliche Signale, einfache Interaktionen und einen persönlichen Installationsservice sorgt MEDIna für Sicherheit, Selbstständigkeit und Entlastung im Alltag, für Nutzer*innen und ihre Angehörigen.
Was macht unser Produkt so besonders?
Welche Lösungen bietet das Produkt zu den aufgelisteten Punkten:
Edge Case
Erinnerung ohne Reaktion
erhält jedoch keine Bestätigung
Visuelles Feedback
Tablettenbox und Wearable zeigen rotes Licht/traurigen Smiley
Eskalation im Hintergrund
Nach bestimmter Zeitspanne wird der Status als nicht bestätigt markiert.
Kritische Benachrichtigung Angehörigen erhalten eine Nachricht mit Hinweis der Nicht-Einnahme
Menschliches Eingreifen
Die Angehörige entscheidet selbst, ob sie anruft, nachfragt oder eingreift
User Journey Map
Die Ersteinrichtung erfolgt durch Angehörige oder Pflegepersonen, die Medikamente werden einsortiert und Zeiten festgelegt. Für die ältere Person bleibt der Einstieg einfach und vertraut. Im Alltag erinnert die Tablettenbox bzw. das Wearable zur Einnahmezeit über Licht, Vibration oder Ton. Die Tablette wird entnommen und die Einnahme per NFC mit einer einfachen Berührung bestätigt. Ein klares visuelles Feedback signalisiert den erfolgreichen Abschluss. Die Einnahme wird automatisch dokumentiert. Angehörige erhalten nur dann eine Benachrichtigung, wenn eine Einnahme ausbleibt. So bleibt die Selbstständigkeit der Nutzer:innen gewahrt, während Sicherheit und Entlastung für das Umfeld entstehen.
Value Proposition Canvas
Ältere Menschen möchten ihre Medikamente sicher, pünktlich und korrekt einnehmen, ohne dabei auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
Neben der funktionalen Sicherheit ist der Wunsch nach Selbstständigkeit zentral. Häufige Probleme entstehen durch die Angst vor vergessenen oder verwechselten Einnahmen, komplizierte technische Lösungen sowie auffällige, medizinisch wirkende Geräte, die Stigmatisierung oder Überwachung suggerieren. Körperliche Einschränkungen wie Seh- oder Hörschwächen erschweren zusätzlich die Wahrnehmung von Erinnerungen.
Ein unterstützendes System sollte daher einfach, diskret und vertrauensfördernd sein sowie durch klares, positives Feedback Sicherheit und Kontrolle im Alltag vermitteln. Angehörige und betreuende Personen benötigen vor allem Zuverlässigkeit und Transparenz. Die größte Belastung entsteht durch die ständige Sorge um vergessene Einnahmen, fehlende Nachweisbarkeit und den empfundenen Eingriff in die Privatsphäre durch permanente Kontrolle. Ein geeignetes System schafft Entlastung, indem es einen jederzeit einsehbaren Status bietet, nur im Bedarfsfall benachrichtigt und die Medikamenteneinnahme automatisch dokumentiert.
Das entwickelte System kombiniert eine strukturierte Tablettenbox, ein tragbares Wearable und eine einfache NFC-Bestätigung. Multisensorische Erinnerungen sowie eine intuitive Statusanzeige sorgen für Orientierung und reduzieren Unsicherheiten. Ergänzend steht eine optionale App zur Verfügung, die den Einnahmestatus übersichtlich darstellt, Benachrichtigungen gezielt auslöst und eine exportierbare Einnahme-Historie bietet. So werden sowohl Selbstständigkeit älterer Menschen als auch Sicherheit und Entlastung für Angehörige unterstützt.
Customer Profile
Hans Peter
76 Jahre
Lebt alleine aber hat Schwierigkeiten seine Medikamente rechtzeitig einzunehmen
Sabine
45 Jahre
Tochter von Hans Peter
Service Blue Print
Der Service beginnt mit der Einrichtung durch Angehörige oder Pflegepersonen, die Medikamente einsortieren und Erinnerungszeiten festlegen. Im Alltag erinnert das System die ältere Person über Licht, Ton oder Vibration an die Einnahme. Die Tablette wird entnommen und per NFC einfach bestätigt, woraufhin ein klares visuelles Feedback erfolgt. Die Einnahme wird automatisch im Hintergrund dokumentiert. Nur bei ausbleibender Einnahme werden Angehörige benachrichtigt. So verbindet der Service Unterstützung, Sicherheit und Transparenz mit maximaler Selbstständigkeit im Alltag.
Business Model Canvas
Das Produkt richtet sich primär an ältere Menschen, die möglichst lange selbstständig in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben möchten, sowie an deren Angehörige, die informell Pflege und Unterstützung leisten. Ergänzend kommen ambulante Pflegedienste als sekundäre Zielgruppe infrage. Der zentrale Mehrwert liegt in der einfachen und niedrigschwelligen Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme. Das System verbindet analoge Bedienbarkeit mit optionaler digitaler Dokumentation und vermeidet dabei Überforderung durch Technik. Es schafft Sicherheit und Transparenz, ohne das Gefühl permanenter Kontrolle zu erzeugen.
Der Vertrieb kann über Online-Kanäle, Apotheken oder Sanitätshäuser erfolgen, ergänzt durch Empfehlungen von Ärzt*innen, Pflegepersonal oder Angehörigen. Die Kundenbeziehung ist auf Selbstständigkeit im Alltag ausgelegt: Nach einer einmaligen Einrichtung funktioniert das System weitgehend eigenständig. Einnahmen entstehen durch den Verkauf der Hardware (Tablettenbox und Wearable). Ergänzend sind optionale digitale Zusatzfunktionen wie App-Zugriff, Benachrichtigungen oder Cloud-basierte Protokolle denkbar. Langfristig bieten sich Kooperationen mit Pflegediensten oder Krankenkassen an.
Zentrale Ressourcen sind die Hardware, die Software zur Dokumentation und Benachrichtigung sowie nutzerzentriertes Design-Know-how für ältere Zielgruppen. Die wichtigsten Aktivitäten umfassen Produktentwicklung, Wartung, Qualitätssicherung und Datenschutz. Die Kostenstruktur setzt sich vor allem aus Entwicklungs-, Produktions-, Logistik- und Wartungskosten zusammen.
Kostenstruktur
Einmalige Startkosten
Laufende Kosten
Personalkosten
Betrieb & Infrastruktur
Gestaltung
Farbe und Typografie
Die Farbwahl unterstützt die Funktionalität und Wahrnehmung des Systems: Lila steht für Vertrauen, Achtsamkeit und Wertschätzung. Es wirkt beruhigend und signalisiert, dass das Produkt den Nutzer*innen Sicherheit bietet.
Blau symbolisiert Zuverlässigkeit, Klarheit und Struktur, was besonders für die korrekte Medikamenteneinnahme und das Gefühl von Kontrolle wichtig ist.
Das Ampel-System (Rot, Gelb, Grün) wird direkt im Wearable oder in der Box verwendet, um den aktuellen Einnahmestatus visuell und intuitiv zu vermitteln. Rot signalisiert Handlungsbedarf, Gelb erinnert dezent an bevorstehende Einnahmen und Grün bestätigt die erfolgte Einnahme.
Die Kombination aus Symbolik und Farbcode macht das System klar, einprägsam und leicht verständlich, selbst für Menschen mit Seh- oder Kognitionseinschränkungen. Das Logo und die Farbgestaltung transportieren so die zentrale Botschaft: Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme, Sicherheit und Selbstständigkeit, ohne überfordernd oder technisch-komplex zu wirken.
Logo
Das Logo verbindet die Symbolik des Kranichs mit der formalen Darstellung einer Tablette, um die zentralen Werte des Produkts zu visualisieren.
Der Kranich steht seit jeher für Langlebigkeit, Weisheit und Achtsamkeit, Eigenschaften, die auch im Kontext des Alterswohns und der selbstständigen Lebensführung besonders relevant sind. Er vermittelt zudem Leichtigkeit, Orientierung und Schutz, was die unterstützende Funktion des Systems auf eine emotionale Ebene überträgt.
Die Pille im Logo greift das Kernthema der Medikamenteneinnahme auf und macht auf den ersten Blick klar, worum es bei dem Produkt geht. Durch die stilisierte Kombination von Kranich und Pille entsteht ein einprägsames, leicht verständliches Symbol, das sowohl Vertrauen und Sicherheit vermittelt als auch die Zielgruppe direkt anspricht.
Insgesamt transportiert das Logo die zentrale Botschaft: Unterstützung im Alltag, Selbstständigkeit bewahren und Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme – auf eine klare, positive und wertschätzende Weise. Der Name MedIna wird genutzt, da er personennah sein soll und man sich dadurch wohl fühlt.
Umsetzung
Erklärvideo
MEDIna, die smarte Pillenbox für mehr Sicherheit und Lebensqualität im Alltag. Mit intelligenten Erinnerungen durch Ton, Licht und Vibration hilft MEDIna zuverlässig dabei, Medikamente pünktlich einzunehmen. Unterstützt wird sie durch ein smartes Amulett, das ebenfalls leuchtet und vibriert und so diskret zusätzliche Aufmerksamkeit schafft. Anhand typischer Alltagssituationen zeigt das Video, wie einfach und entlastend die Nutzung von MEDIna ist. Angehörige werden automatisch benachrichtigt, sobald die Einnahme erfolgt ist und somit für ein gutes Gefühl auf beiden Seiten sorgt. Das Vorstellungsvideo wurde kreativ und anschaulich in Die Sims 4 umgesetzt.
Fazit
Die Auseinandersetzung mit dem Thema hat uns deutlich gemacht, dass Medikamenteneinnahme im Alter weit über medizinische Aspekte hinausgeht und eng mit Selbstständigkeit, Sicherheit und Würde verknüpft ist.
Im Modul Service Design haben wir gelernt, wie wichtig es ist, komplexe Bedürfnisse ernst zu nehmen und Lösungen nicht technisch zu überladen, sondern konsequent aus der Perspektive der Nutzer*innen zu denken. Die Arbeit am Konzept hat unser Verständnis dafür geschärft, wie durch einfache, gut gestaltete Services echte Entlastung entstehen kann, sowohl für ältere Menschen als auch für ihr soziales Umfeld.
Autor*innen
Saskia Tröge
Lea Dolp
Fabian Knabel
Natalie Schiechtele
Betreuung
Prof. Damian Gerbaulet