Atelier. ist eine App für kreative Nutzer:innen, die Social-Media- und Inspirationsloops unterbricht und in konkrete kreative Aufgaben übersetzt. Die App setzt genau dort an, wo viele kreative Prozesse stecken bleiben: zwischen Scrollen, Speichern und tatsächlicher Umsetzung.

Das Problem

Digitale Plattformen sind für kreative Nutzer ambivalent. Sie sind Inspirationsquelle und Ablenkung zugleich. Dies kann dazu führen, dass immer mehr Inhalte konsumiert und gespeichert werden, ohne dass daraus eigene Arbeit entsteht. Gerade für Designer oder andere kreative Berufsfelder verschwimmt die Grenze zwischen produktiver Recherche und passivem Konsum schnell.

Zu Beginn beschäftigten wir uns noch allgemeiner mit Bildschirmzeit, Fokus und digitaler Reizüberflutung. Unsere ersten Ideen gingen in Richtung Screen-Time-Reduktion. Im Laufe der Themenfindung wurde jedoch deutlich, dass dieser Ansatz zu allgemein war. Interessanter wurde für uns die kreative Nische, weil hier digitale Inhalte nicht einfach nur Ablenkung sind, sondern häufig Teil der Arbeit.

Genau darin liegt das Problem: Kreative Nutzer konsumieren Inhalte oft mit einem produktiven Gefühl. Sie speichern Tutorials, Designreferenzen oder Ideen, um sie später zu nutzen. Häufig bleibt es aber beim Speichern. Die eigentliche Umsetzung wird verschoben oder gar nicht erst begonnen.

Für uns stellte sich die Frage:

Wie kann eine App Nutzer:innen dabei unterstützen, vom passiven Konsum digitaler Inspiration schneller in eine konkrete Handlung zu kommen?

Zielgruppe und Research

Nachdem die Richtung feststand, untersuchten wir genauer, für wen dieses Problem besonders relevant ist. Als primäre Zielgruppe definierten wir junge, digital sozialisierte kreative Menschen im Alter von etwa 20 bis 35 Jahren. Dazu zählen zum Beispiel Designer, Studierende, Content Creator, Indie Maker oder andere Personen, die regelmäßig mit digitalen Tools, visuellen Referenzen und Social Media arbeiten.

Diese Zielgruppe ist häufig offen für neue Tools, reflektiert das eigene Medienverhalten und nutzt digitale Plattformen bewusst zur Inspiration. Gleichzeitig ist sie besonders anfällig für Input-Overload, weil Inspiration jederzeit verfügbar ist und die Grenze zwischen Recherche und Ablenkung verschwimmt.

    Die Ergebnisse bestätigten zentrale Beobachtungen: Alle Befragten gaben an, beim Scrollen schnell das Zeitgefühl zu verlieren. 83 % konsumieren Inhalte, ohne dass daraus etwas Konkretes entsteht. Besonders deutlich wurde auch das Verhalten nach dem Konsum: 92 % speichern Inhalte oder scrollen weiter, während fast niemand direkt ins Tun kommt. Gleichzeitig wurde die Grundidee positiv aufgenommen.

    Auch die offenen Antworten gaben uns wichtige Impulse. Einige Befragte wünschten sich einen schnellen Import von Inhalten, zum Beispiel über Links, gespeicherte Posts oder eine Verbindung zu bestehenden Systemen. Andere nannten gemeinsame kreative Projekte.

    Konkurrenzanalyse

    Parallel analysierten wir bestehende Anwendungen, die ähnliche Teilbereiche des Problems behandeln. Dazu gehörten unter anderem Mindstash, Hive, Are.na und Flora. Dabei wurde deutlich, dass viele Produkte einzelne Schritte des kreativen Prozesses unterstützen.

    • Mindstash hilft beim schnellen Speichern von Gedanken und Ideen.
    • Hive organisiert Bilder und Assets.
    • Are.na ermöglicht das Sammeln und Verknüpfen von Inhalten.
    • Flora unterstützt Fokusphasen und Disziplin.

    Was uns fehlte, war ein Tool, das konsequent vom Input zur Umsetzung führt. Viele Anwendungen helfen beim Sammeln, Sortieren, Strukturieren oder Fokussieren. Der entscheidende Schritt in die eigene Handlung bleibt jedoch offen. Unsere App setzt deshalb genau dort an und versteht sich als eine Art Execution Layer für kreative Arbeit.

    Happy Path

    Auf Basis der Recherche entwickelten wir zunächst einen umfangreichen User Flow. Darin sammelten wir alle denkbaren Funktionen und Screens

    Da der Umfang schnell zu groß wurde, priorisierten wir die Funktionen mit der MoSCoW-Methode. Dadurch konnten wir klarer entscheiden, welche Bestandteile wirklich zum Kern des Produkts gehören.

    Bewusst ausgeschlossen haben wir Funktionen wie Social Feed, Likes, Kommentare, starke Gamification und Streaks.

    Zu den wichtigsten Funktionen zählten:

    • Social-Media-Interrupt
    • Task Picker
    • kleine kreative Aufgaben
    • Fokus-Timer
    • Ergebnis festhalten
    • ruhiges UI
    • Abort Flow

    Aus dieser Priorisierung entstand der Happy Path. Er beschreibt den idealen Ablauf der App:

    • Nutzer befinden sich in einem Konsum- oder Input-Loop.
    • Die App unterbricht diesen Moment sanft.
    • Nutzer wählen eine kleine kreative Aufgabe.
    • Die Aufgabe wird in einer Fokusphase umgesetzt.
    • Das Ergebnis wird festgehalten und im Atelier sichtbar.

    Dieser Ablauf wurde zur Grundlage aller weiteren Entscheidungen. Jede Funktion musste sich daran messen lassen, ob sie den Übergang von Inspiration zu Handlung unterstützt.

    Visuelle Entwicklung

    Nachdem die Struktur der App klarer war, begannen wir mit der visuellen Ausarbeitung. Erste Wireframes halfen uns, den Ablauf und die Screen-Struktur zu verstehen, wirkten aber noch sehr funktional und unfertig. Deshalb suchten wir nach einer Gestaltung, die ruhiger, atmosphärischer und eigenständiger wirkt.

    Ein zentrales Motiv wurde Licht. Wir testeten dunkle Hintergründe, warme Lichtflächen, organische Formen, Glas-Effekte und reduzierte Interfaces. Die App sollte sich bewusst von lauten Social-Media-Umgebungen abgrenzen und eher wie ein ruhiger Arbeitsraum wirken.

      Nach Feedback zur visuellen Komplexität reduzierten wir das Designsystem bewusst stark. Wir entfernten den dominanten Hintergrund, verzichteten auf übermäßige Glass-Effekte und arbeiteten zunächst mit einer schwarz-weißen Basis. Dadurch konnten wir Typografie, Abstände, Karten, Buttons und Navigation isolierter beurteilen.

      In den weiteren Iterationen zeigte sich jedoch, dass diese Richtung nicht auf allen Screens funktionierte. Besonders in Bereichen mit vielen Inspirations- und Projektbildern wurde das Interface schnell zu unruhig. Die Bilder selbst brachten bereits viele Farben, Kontraste und visuelle Stimmungen mit. Zusätzliche farbige Hintergründe und Glass-Effekte konkurrierten dadurch mit den eigentlichen Inhalten.

      Auf dieser reduzierten Grundlage entwickelten wir den Charakter der App weiter. Statt über viele Farben sollte die Eigenständigkeit über Typografie, Buttonformen, Icons, Komposition und bewusste Brüche mit bekannten App-Konventionen entstehen. Besonders der Timer wurde zu einem Element, das sich bewusst von klassischen iOS-Mustern abheben durfte.

        Umsetzung

        Nach den Figma-Iterationen verlagerten wir die weitere Ausarbeitung zunehmend nach Xcode. Ziel war es, nicht nur statische Screens zu zeigen, sondern einen bedienbaren Prototyp zu entwickeln. Da wir zu Beginn wenig Erfahrung mit SwiftUI hatten, arbeiteten wir mit KI-gestützten Coding-Tools.

        Dabei wurde schnell deutlich, dass die Qualität der Umsetzung stark davon abhängt, wie präzise wir unsere Vorstellungen beschreiben. Anfangs reichte es nicht, der KI nur Screens zu geben oder grob zu erklären, was passieren soll. Die Ergebnisse orientierten sich zwar an den Entwürfen, wichen aber bei Abständen, Schriftgrößen, Zuständen, Übergängen und Hierarchien deutlich ab.

        Im Verlauf wurden unsere Prompts immer detaillierter. Wir beschrieben nicht mehr nur, welcher Screen entstehen sollte, sondern auch, wie Elemente zueinander stehen, welche Abstände sie haben, welche Buttons wohin führen und wie sich Zustände verändern. Teilweise nutzten wir mehrere Prompts hintereinander, um einzelne Details wie Positionen, Abstände oder Übergänge genauer zu korrigieren.

        Fazit & Finale App

        Xcode war für uns am Anfang ungewohnt, wir mussten uns Schritt für Schritt reintasten. Aber die App dann tatsächlich auf dem Handy zu sehen und als tatäschliche App testen zu können hat uns nochmal richtig motiviert.

        Vor allem beim Design haben wir gemerkt, wie viel Arbeit darin steckt, aus etwas Funktionalem etwas mit echtem Charakter zu machen. Wir haben mehrere Richtungen verworfen, die uns zwischenzeitlich überzeugt hatten, und erst durch die Distanz zwischendurch gesehen, wo die App noch zu generisch wirkte statt eigenständig. Fragen wie: Wo halten wir uns an bestehende iOS-Konventionen, und wo brechen wir bewusst damit, damit die App nicht wie jede andere Standard-App aussieht, haben uns durch den ganzen Prozess begleitet. Am Ende sind wir bei einer Gestaltung angekommen, die wirklich zu uns und zur Idee von Atelier passt, reduziert, aber mit klarem eigenem Charakter.