0t1 steckt noch in den Kinderschuhen.

Deutsch für junge Profis (alt)

Dieser Artikel stellt das Buch “Deutsch für Profis” von Wolf Schneider vor, welches das gute und professionelle Schreiben von Texten behandelt. Es wird schrittweise erklärt, wie ein guter Schreibstil angeeignet werden kann, um Texte schreiben zu können, die für jeden Menschen verständlich sind.

Es gibt einige Grundregeln, die auf jeden Text angewandt werden können: Einfachheit, Ordnung, Kürze, Prägnanz und Stimulanz. Eine Sprache soll korrekt, verständlich, gut und interessant sein.

1. Fachwörter

Damit man verstanden wird, sollte man zu aller Erst keine komplizierten Fachwörter verwenden, nur weil es dann "professioneller" klingt. Fachwörter sollen nur benutzt werden, wenn anderweitiges unumgänglich ist.

2. Adjektive

Mit Adjektiven soll man sparsam umgehen und sie nur verwenden, um Dinge besser auszudrücken. Das heißt sie sollen nicht als Füllwörter oder Dopplung eines Substantivs verwendet werden. Außerdem ist zu beachten, dass deutsche Wörter benutzt werden sollen, also Wörter die bereits im Deutschen existieren ( und keine saloppe Umgangssprache). Steigerungen sollen sinnvoll und korrekt verwendet werden - bei einer ordentlichen Grammatik sollte das aber kein Problem darstellen.

3. Verben

Nun zu den Verben: Zeitformen sollen jederzeit korrekt eingesetzt werden und nicht mit Substantiven nutzlos lange umschrieben werden. Es sollen Begriffe verwendet werden, die den Sachverhalt kurz und knapp beschreiben. Ebenso sollen, wie bei den Adjektiven auch wenn möglich nur deutsche Begriffe verwendet werden, falls dies nicht unumgänglich ist.

4. Wiederholungen

Wiederholungen sollen für einen guten Schreibstil generell vermieden werden. Diese führen nämlich zu einer erschwerten Lesbarkeit.

5. Prägnanz

Für eine angenehme Prägnanz gilt: kürzere und klare Sätze sind verständlicher als verschachtelte Sätze. Im Hauptsatz stehen nur die wichtigsten Informationen, die durch den Nebensatz unterstützt werden. Jedoch ist darauf zu achten, dass zu viele alleinstehenden Hauptsätze dazu führen, dass die Konzentration des Lesers schnell nachlässt, da er mit zu vielen Hauptinformationen überfordert sein wird.

6. Nebensätze

Das menschliche Gehirn kann nur einen Gedanken auf einmal korrekt verarbeiten. Daher macht es Sinn Nebensätze anzuhängen, statt sie innerhalb des Satzes zu platzieren. Dadurch kann jeder Gedanke im Kopf separat verarbeitet werden, ohne sich zu überschneiden. Die meisten Sätze können ohne viel Aufwand umgebaut werden, um diese Anforderung zu erfüllen. Oft müssen diese Nebensätze auch erst aus langen Hauptsatz-Bestandteilen gebildet werden.

Beispiel

Flasch:

Vor allem kommt es darauf an, dass sich sprachliche Wendigkeit mit dem Willen, wirklich verstanden zu werden, verknüpft.
Murschetz, Luis (2001), Deutsch für Profis, 19. Aufl., München

Richtig:

Vor allem kommt es darauf an, dass sich sprachliche Wendigkeit mit dem Willen verknüpft, wirklich verstanden zu werden.
Murschetz, Luis (2001), Deutsch für Profis, 19. Aufl., München

7. Verneinungen

Verneinungen stellen in fast jedem Fall ein Problem dar. Mit der doppelten Verneinung hat man schnell die Grenze zur Katastrophe erreicht. Der Mensch braucht nämlich 48% länger, um verneinte Sätze zu verstehen. Klare Verneinungen wie 'Nein', 'kein' und 'nicht' stellen kein Problem dar, werden jedoch häufig nicht so verwendet, sondern durch unklare Begriffe und Silben ersetzt (Bsp.: unpraktisch). Wenn vorhanden, sollte die Verneinung so früh wie möglich im Satz stehen. Das Problem der doppelten Verneinung ist, dass diese nicht immer eine Bejahung darstellt. In Berlin sagt man zum Beispiel: "Ich hab kein Geld nicht", wenn man kein Geld hat. Die Dialektgebundene Logik ist daher nicht in die Schrift zu übernehmen.

Beispiel (negativ)

Ebenso wenig gibt es unter den Fraktionen dieses Hauses keine, die nicht friedenswillig oder friedensfähig wären.
Emilia Galotti, II, 6

8. Wortüberfluss

Texte sollten eine bewusst gewählte Menge an Überfluss besitzen. Redundant werden ungenutzte Satzteile genannt, welche über den Neuigkeitswert der Informationen hinausgehen. Allerdings sind diese nicht immer überflüssig. Wichtig, um diese Grenze der Notwendigkeit und des Überflusses zu finden ist es, den Erfahrungs- und Erwartungshorizont des Lesers mit einzubeziehen.

Beispiel

Ich werde am Freitag um 8.32 Uhr mit dem Flugzeug in Frankfurt eintreffen.
Murschetz, Luis (2001), Deutsch für Profis, 19. Aufl., München

Extrem reduziert auf die wichtigsten Bestandteile, welche zum verstehen nötig sind, sieht diese Information so aus – wenn der Adressant sich in Frankfurt befindet.

Eintreffe Freitag Flug 8.32
Murschetz, Luis (2001), Deutsch für Profis, 19. Aufl., München

9. Rhythmus

Zur Leserlichkeit eines Textes trägt auch der Rhythmus bei. Zu viele einsilbige Wörter sind zum Beispiel nicht gut lesbar. Rhythmus kann durch lange und kurze, betonte und unbetonte Silben zustande kommen. Der bewusste Umgang mit diesem Element ist wichtig für einen guten Stil.

10. Ziffern und Zahlenwörter

Viele stellen sich oft die Frage, wann Ziffern und wann Zahlenwörter verwendet werden sollten. Zu dieser Fragen gibt es drei wichtige Faustregeln:

  1. Verglichenes wird gleich geschrieben (Das kostet zehn Euro und das 13 Euro 'falsch')

  2. Was nicht verglichen wird, wird anders geschrieben (10 kosten 13 Euro, neun kosten 12 Euro -> zehn kosten 13 Euro, neun kosten 12 Euro)

  3. Was nicht exakt gemeint ist nicht in Ziffern (1000 Zuschauer -> genau 1000? / tausend Zuschauer - > ca. 1000)

Außerdem sollen Zahlen nur so genau wie nötig ausgedrückt werden (189651 Einwohner, überflüssig und wahrscheinlich falsch, stattdessen 190000 Einwohner)

11. Interpunktion

Wichtig ist auch der richtige Umgang mit Interpunktion. Durch den gezielten Einsatz von Satzzeichen kann die Verständlichkeit gesteigert werden. Währende viel Zeichen wie '!', '...', ':' und '( )' zu häufig und teils falsch verwendet werden, werden der Gedankenstrich, Fragezeichen, Semikolon und Doppelpunkt für indirekte Reden zu selten verwendet.

  1. Gedankenstrich – Stellt eine Zäsur im Satz dar und dient zur dramatischen Verknüpfung zweier Hauptsätze

  2. Fragezeichen ? Kann bei rhetorischen Fragen und auch in der indirekte Rede verwendet werden.

  3. Semikolon ; Dient zur Verbindung von Sätzen. Ist dabei weniger beiläufig wie das Komma und nicht so hart wie der Punkt.

  4. Doppelpunkt : Kann zur Einleitung einer indirekte Rede verwendet werden, um Schachtelsätze zu entschachteln und auch als Trennung zu einem folgenden Begründungssatz.

12. mündliche Sprache

Es heißt, man solle schreiben wie man spreche. Dies stimmt jedoch nur teilweise. Es stimmt, dass man seine Texte nicht zu abstrakt verfassen sollte, jedoch sollten keine vulgären Begriffe wie zum Beispiel 'Fresse' oder 'Köter' fallen. Die mündliche Sprache liefert außerdem 5 Nachteile, welche dagegen sprechen, zu schreiben wie man spricht:

  1. Komplexe Sachverhalten werden mündlich oft sehr kompliziert ausgedrückt.

  2. In der mündlichen Sprache kommt es oft zu dem Fall, dass man den Satz nicht zum gewünschten Ende bringen kann.

  3. Außerdem tendiert das Mündliche oft zur Wiederholung bestimmter Dinge.

  4. Die meisten Menschen nutzen außerdem viele unnötige Füllwörter beim Sprechen.

  5. Ein Problem ist auch, dass Modewörter und Klischees sich mehr in den Vordergrund drängen.

Um diese Fehler in der Schrift zu verhindern ist es nötig, den Text mehrmals zu lesen und auszubessern. Unnötige Füllwörter sollten beispielsweise durch gezielt und bewusst genutzte Würzwörter ersetzt werden. Heutzutage sind Reden eher Reproduktionen der Schrift, also genau andersherum gebildet.

13. Allgemeines

Für Verfasser von Texten ist es wichtig zwischen gutem und verständlichem Deutsch zu unterscheiden. Meist gehen beide Seiten Hand in Hand, doch auch feindliche Gegenüberstellungen sind vorhanden. So zum Beispiel bei der Ironie. Obwohl sie ein legitimes Stilmittel ist führt sie dadurch zu Problemen, dass meist weniger Leser diese Ironie verstehen als es sich der Verfasser wünscht. Um den Inhalt weiter in den Vordergrund zu stellen, sollte man auch unerwartete Wörter vermeiden, da die durch stärkeres Nachdenken vom Inhalt ablenken.

Es gibt vier Stufen welche das Verständnis des Lesers einteilen:

  1. Der Leser kann Wörter erkennen und wiederholen.

  2. Dem Leser ist ein Einordnen des Gegenstandes möglich.

  3. Dem Leser ist ein Beschreiben des Gegenstandes möglich.

  4. Der Leser kann Inhalt begründen und in Kausalzusammenhang stellen.

Journalisten wollen die vierte Stufe und damit das tiefste Verständnis erreichen.

Fünf Punkte, welche einen Text für den Leser interessant machen:

  1. Er muss dem Leser eine neue Information mitteilen oder mindestens einen neuen Aspekt zu etwas Altem behandeln.

  2. Eine kurzweilige Schreibweise sollte gewählt werde. Jedoch nicht zu kurz und knapp, aber frei von Langeweile.

  3. Der Text sollte mit Sinneseindrücken anschaulicher gemacht werden. Also auch Beispiele und Menschen umfassen.

  4. Für die meisten Leser ist es auch interessanter eine Entwicklung zu beschreiben und keine statischen Zustände.

  5. Das Ende des Textes sollte in eine eindeutige und faszinierende Aussage münden.

Der Verfasser muss immer beachten, wer den Text lesen wird. Bei den meisten Menschen führt die Verwendung des Konjunktivs zum Beispiel zur Schwierigkeiten in der Verständlichkeit. Oft ist daher das Zitieren statt der indirekten Rede die bessere Wahl.


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